Erfahrungsbericht zu ET und Schwangerschaft
Der Bericht wurde Ende 2006 verfasst.
Petra H., geb. 1966, ET
Im August 2001 verlor ich ein Baby im sechsten Schwangerschaftsmonat. Das Baby war bereits seit der 12. SSW "zu klein" gewesen, ansonsten aber gesund. Im Rahmen der Blutbildkontrolle während der Schwangerschaft ergaben sich Thrombozytenwerte von ca. 450.000, die damals nicht problematisiert wurden. Aus ärztlicher Sicht gab es auch nach der Obduktion keinen ersichtlichen Grund für die Totgeburt und mir wurde geraten, es einfach wieder zu versuchen.
Stattdessen machte ich mich selbständig auf die Suche nach einer Erklärung, zumal ich 1998 schon ein gesundes, aber auch eher "kleines" Baby zur Welt gebracht hatte.
In der Zeitschrift "Spiegel" fand ich dann 2002 einen Artikel zur Faktor-V-Leiden-Mutation und ließ daraufhin abklären, ob diese bei mir vorliegt. Bei der Untersuchung wurden keine Faktor-V-Mutation aber eine heterozygote Prothrombinmutation und zusätzlich zu hohe Thrombozyten von ca. 550.000 festgestellt.
Damit begann für mich ein sehr frustrierender Weg durch die medizinischen Instanzen, kompetente und inkompetente, mit dem Ergebnis, dass in mir die Angst wuchs, demnächst sterben zu müssen.
Die Empfehlung der Schulmedizin, die neben der heterozygoten Prothrombinmutation auch eine ETET
Essentiellen Thrombozythämie festgestellt hatte, lautete, mich baldmöglichst mit Interferon behandeln zu lassen. Die Nebenwirkungen dieser Behandlung schreckten mich allerdings ab, zumal ich äußerst ungern Medikamente nehme und bislang, abgesehen von einer verminderten Leistungsfähigkeit, kaum Symptome hatte.
Die Thrombozyten stiegen in dieser Zeit des schulmedizinischen Checks auf 980.000 und plötzlich hatte ich viele Symptome, die in der Literatur beschrieben werden wie Ohrgeräusche, Kribbeln in den Finger und in den Beinen, schmerzhafte rote Stellen an den Füßen, Sehstörungen etc. Dennoch lehnte ich die Knochenmarkuntersuchung und die Interferonbehandlung ab.
Mein Weg bestand nun darin, mein Leben umzustellen. Ich kündigte meinen Job, eine stressige Führungsposition, begab mich in konstitutionshomöopathische und psychologische Behandlung, ließ einige Lebensmittel weg, die ich nicht gut vertrug und versuchte auch sonst, mich "gesund" zu ernähren. Insgesamt ging es mir darum, zur Ruhe zu kommen und mich einfach "wohlzufühlen". Die Thrombozytenwerte gingen - aus welchem Grund auch immer - wieder auf Werte um die 600-650.000 zurück.
Da die Ärzte gesagt hatten, ich könne mit erhöhten Thrombozytenwerten nicht schwanger werden, hatte ich meinen Wunsch nach einem zweiten Kind schon fast ad acta gelegt.
2003 wurde ich entgegen aller Voraussage dennoch schwanger, verlor das Kind aber in der zehnten Woche. Ich hatte keinerlei Medikamente genommen.
Nun war mein Kinderwunsch wieder voll da und ich bereitete mich 2005, nachdem mein Mann auch noch einmal bereit war, das Risiko einer Schwangerschaft einzugehen, mit der Einnahme von Thrombo Ass 50 mg vor. Zwei Monate später war ich schwanger. Der Gynäkologe empfahl mir außerdem, mich mit niedermolekularem Heparin (Lovenox 40mg) zu spritzen, was ich auch während der gesamten Schwangerschaft und 8 Wochen danach tat. Beide Medikamente, Thrombo Ass und Lovenox, hatten keine spürbaren Nebenwirkungen.
Im März 2006 gebar ich spontan und ohne jegliche Komplikationen ein gesundes Mädchen mit 2.935 Gr. und 47 cm. Auch im Wochenbett gab es keine Probleme. Die Thrombozyten hatten sich im Verlauf der Schwangerschaft auf Werte um die 360.000 normalisiert, stiegen dann aber in den Monaten danach wieder auf jetzt aktuell 860.000 (Oktober 2006) an.
Während der Schwangerschaft wurde ich per Email und telefonisch durch Herrn Prof. Griesshammer von der Universitätsklinik Ulm sehr freundlich, kompetent und optimistisch betreut.
Mir ist ganz wichtig, Frauen mit ETET
Essentiellen Thrombozythämie und Kinderwunsch zu ermutigen. Eine erfolgreiche Schwangerschaft ist unter der passenden Medikation durchaus möglich. Da ich mir besonders viel Ruhe und Bewegung an der frischen Luft gönnte, hatte ich das Gefühl, diese Schwangerschaft sogar noch bewusster und angenehmer zu erleben, als meine erste Schwangerschaft als "Gesunde".
Mein Weg ist nun, Thrombo Ass 50 mg weiterhin zu nehmen und die Blutwerte alle 2-3 Monate kontrollieren zu lassen. Auch die homöopathische und die psychologische Behandlung führe ich fort. Beides hilft mir, immer wieder in ein Gleichgewicht zu kommen.